Also wer trauert schon diesem „.ch“ nach? Wen kümmert es schon, dass mitten in der Finanzkrise von einem Tag auf den anderen 69 Stellen verloren gehen? Wer bedauert schon, dass ein aufgestelltes, junges Team mit viel Herzblut Knall auf Fall nicht mehr zusammen weiterarbeiten darf? Wer wird schon die exklusiven Storys und Eigenrecherchen von „.ch“ vermissen? Wen bedrückt schon die Aussicht, dass die knallhart kalkulierenden TA-Media-Chefs in den nächsten paar Wochen die Gratiszeitung „News“ einstellen werden und damit weitere rund sechzig Stellen bachab gehen? Und wer findet es schon störend, dass bald nur noch die beiden Grossverlage TA-Media und Ringier die Schweizer Zeitungen kontrollieren werden?
Also am ehesten sollte all dies doch unseren sozialdemokratischen Medienminister stören. Aber genau dem ist das alles schnurzpiepegal. „Wer trauert schon ‚.ch‘ nach?“ Es ist Moritz Leuenberger, der diese rhetorische Frage in den letzten Tagen gestellt hat.
Also dieser Moritz, der hat es gut. Der hat einen formidabel bezahlten und anscheinend weitgehend stressfreien Job mit einem festen Sitzungsrhythmus. Als er in Bern genug vor sich hin gedöst hat, ist der Zürcher aktiv geworden. Das Geld des Steuerzahlers verhilft mir zu einem sorglosen Leben, hat er sich gesagt, da kann ich doch locker selbst ins Mediengeschäft einsteigen und auf http://moritzleuenberger.blueblog.ch/ einen staatlich finanzierten Blog betreiben. So nebenbei kurbelt der Sozi dort sogar den Absatz seiner Bücher an.
Derweil muss sich unsereiner nach der Decke strecken. Wie meine vielen Kollegen von „.ch“ steht bald auch meine Wenigkeit auf der Strasse. Diesen Blog schreibe ich gratis und franko, hobbymässig und irgendwie als Beschäftigungstherapie.
Aber eines muss man diesem Moritz lassen: Der schaut wenigstens dafür, dass all die vielen Medienleute, die in den nächsten Monaten den Blauen Brief erhalten werden, die Vorzüge eines tiptop ausgebauten Sozialstaates in Anspruch nehmen können. Vielleicht hat er dieser sozialdemokratische Medienminister ja sogar Freude, dass bald ganz, ganz viele Medienschaffende die Vorteile dieses Sozialstaates erleben müssen.